Pornofilmfestival in 10. Auflage im Moviemento

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Wie gesellschaftsfähig ist Porno? Wie sehr beeinflussen Pornofilme unsere Sexualität? Welche Kategorien von Pornographie existieren eigentlich neben dem Mainstream-Porno auf Pornoseiten wie youporn oder pornhub noch? Einige Antworten auf diese Fragen gab das jährlich im Moviemento stattfindene Porn Film Festival. Statt klischeebehafteter Tabuisierung und dem Stil obszöner alter Männer die in Pornokinos mit lasziven prallbusigen Frauenpuppen in der Frontscheibe wandern, pflegt das Festival seine eigene Linie.

moviemento-pornofilmfestival

Ein Mix aus verschiedenen pornographischen Richtungen, die unterschiedliche Geschmäcker und Menschen befriedigen, ansprechen und ggf. auch erstaunen. Daneben eine Auswahl an Gästen, Filmemachern und Wissenschaftlern die sich mit der Kultur der Pornographie auseinandersetzen. Wer also ein Reizbefriedigung wie auf einer Erotikmesse erwartete wurde enttäuscht … oder vielleicht erstaunt und neu inspiriert?

Der Erföffnungsfilm Schnick Schnack Schnuck stammte von Maike Brochhaus, einer Beobachterin der sich bildenden Liebesbeziehungen und der Intimitäten von vier Menschen. Ohne unterwürfige Ästethik, langanhaltende Vaginalszenen und schweißtreibendes Gejohle entwickelt sich die Sinnlichkeit in der mehreren Dimensionen, über Geschichte der Darsteller und das Loslassen von eigenen Hemmungen und Vorstellungen.

Eine Auszeichnung ging an die Macher des Dokumentarfilms YES, WE FUCK!

Antonio Centeno & Raúl de la Morena. Ein Einblick in eine Welt einer vermeintlich anderen Sexualität, die von Menschen mit Behinderungen. Der Film selbst augenscheinlich nicht nur gegen Tabuisierung sondern auch voller die eigenen Augen öffnender Sinnlichkeit.

Eine Reihe an Workshops und verknüpften Events luden ebenfalls ein, um auch die eigene Sexualität im interaktiven Rahmen zu erleben, z.B. durch die Heranführung an (noch) fremde Praktiken der Lust (Bondage und Fisting). Auf wissenschaftlicher Ebene disktuierten im digitalen Salon, einer kooperativen Veranstaltung mit dem Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, Experten für Pornographie aus universitärer Forschung über die Innovationspotentiale der Pornographie. Was wird durch technischen Wandel in Form von 3D Brillen und neuen haptischen Sextools in naher Zukunft alles möglich sein?

Wer sich an Pornographie in einem breiteren Kontext, sowie für andere Formen von Sexualität und Sinnlichkeit, als der 99% die das Internet naheliegenderweise anbietet, interessiert, der merkt sich das Filmfestival für das nächste Jahr oder lässt sich vom vergangenen Programm inspirieren.

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