Hin und Her an der Mauer

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Wer sich an die Proteste gegen den Abriss eines Abschnitts der Mauer erinnert, an dem selbst David Hasselhoff auftrat und aus einem Gelben Bus Looking for Freedom sang, der versteht das emotionale Interesse vieler Berlin an den Überresten der Mauer. Die künstlerisch verzierten Abschnitte, die sogennante East Side Gallery ist Herzstück von Aufregungen, Touristenspektakel und auch manchmal Dorn im Auge von Investoren, die für die leerstehenden Ufergrundstücke Bebauungspläne hegen.

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Immerhin hat sich die Stadtverwaltung jetzt entschlossen den künstlerischen Wert der Mauer streifen vor vandalisierenden Besuchern zu schüzten. Eine Geländer soll die Mauer vom allzu engen Kontakt mit Touristen trennen und so die stellenweise in Mitleidenschaft gezogenen Kunstwerke vor Verfall bewahren. Bei schweren Vandalisierungen will der Bezirk Anzeige erstatten. Gängige Delikte sind Grußwörter, Graffitis und Einkerbungen von Touristen und Verliebten. Ist die Mauer ein öffentliches Gästebuch geworden, in das man sich nach Belieben einschreiben kann? So wie an anderer Stelle kleine Schlösser von Verliebten Brücken zieren, scheint der Kult an einem geschichtsträchtigen Ort eine persönliche Botschaft zu hinterlassen groß. Sehr zum Ärger der Denkmalbehörden, deren Anliegen es ist eine touristisch, künstlerisch und der Stadt ihre Identität verleihende Mauer zu erhalten.

An anderen Stellen wie in der Nähe des Potsdamer Platzes und der zentralen Mauergedenkstätte sind weit weniger Graffitis zu erkennen. So liegt es nahe, dass es sich bei den Verschandelungen an der East-Side-Gallery um ein Phänomen handelt, dass durch die Weiträumigkeit bedingt ist. Wer sich entscheidet, hier die Sprühdose zu schwingen oder mit gröberen Mittel die Mauer zu bearbeiten, der fühlt sich offenbar ungestört. Ob das ein Geländer ändern kann, ist fraglich.

Eine touristische Alternative für Mauererkundungen bietet übrigens der Berliner Mauerweg, der durch ganz Berlin an zum Teil versteckten Kleinoden vorbeiführt. Wer sich zu Fuß oder am besten mit dem Fahrrad auf seinen Weg begibt, erfährt abseits des Hotspots an der Warschauer Straßen einen guten Einblick, wie die Trennung zwischen Ost und West vor der Wiedervereinigung verlief.

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